Das Bild dieses Beitrags zeigt die Zürcher Färberei «Walche» an der Limmat direkt ausserhalb der Stadtbefestigung: Wasserräder und zum Trocknen aufgehängte gefärbte Ware ist abgebildet. Zudem sehen Sie viele Holzstämme. Es brauchte Feuer zum Erhitzen der Farbflotte. Gefärbt wurde noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts mit den wichtigsten Pflanzenfarbstoffen: Mit Krapp (rote Farbe) oder mit dem teuren Indigo oder dem günstigeren Waid (blaue Farbstoffe).
Die Geschichte der Schweizer/Zürcher Textilindustrie ist nicht ohne fremdes Wissen und ohne fremdes Können zu erzählen. Protestantische Ein- und Durchwanderer aus dem Süden (Tessin und Frankreich) brachten das Manufakturwesen in die Schweiz: Textildruck und Uhrmacherhandwerk. Manufakturen waren dank der arbeitsteiligen Prozesse sehr viel produktiver als die zünftischen Handwerker. Zudem begannen die «Proto»-Fabriken auch den Einsatz der Wasserkraft für die Mechanisierung einzelner Arbeiten anzuwenden. Für Mehl und Schiesspulver waren Wasserräder seit dem Mittelalter im Einsatz.
In der Seidenzwirnerei waren es die «Seidenmühlen» (filatoio) welche aus Italien kommend auch in Zürich eingesetzt wurden. Diese Unternehmen siedelten sich innerhalb der Stadtmauern am Sihlkanal und in den Seidenhöfen an. Diese Technik stand am Anfang der «Seidenindustrie» in Zürich. Die Kaufleute – auch Verleger genannt – wohnten und arbeiteten im Alten Seidenhof, im Neuen Seidenhof, im Blauen Seidenhof, im Hinteren Seidenhof, im Grünen Seidenhof, im Gelben Seidenhof, im Seidenhöfli, im Kleinen Seidenhof und im Hölzernen Seidenhof. Es gab neun Seidenhofbaugruppen und eine Seidenmühle im Sihlhof am Sihlkanal.
Auch die Seidenwirkerei für Strümpfe und Wäsche war für Zürich neu und brachte zusätzliche Einnahmen (ausgeführte Waren wurden mit dem sogenannten «Pfundzoll» belegt). Seide und Baumwolle brachte der Stadt Geld. Es entstand so auch eine erweiterte Stadtbefestigung und ein Quartier für die Textil-Kaufleute: Das Talackerquartier und Seidenunternehmen wie der Florhof am Hirschengraben.
Es ist auch davon auszugehen, dass die Innovationen in der Seide auch die Baumwollproduktion (Spinnerei, Weberei und Färberei) beeinflusst hatten. Geschickte Schreiner und Uhrmacher bauten die filigranen aber hoch-effizienten Seidenmühlen oder die Handwebstühle. Diese müssen auch die englischen Entwickler der ersten Baumwoll-Spinnmaschinen beeindruckt haben.
Der Einfluss der Glaubensflüchtlinge auf die Industrialisierung


