Verschiedene Regionen haben in die Seide investiert: England in London, Frankreich in Lyon, die Schweiz in Zürich und Italien in Como. Auch Deutschland hatte eine bedeutende Seidenindustrie in Krefeld. In den Vereinigten Staaten entstanden Seidenwebereien – amerikanische und vor allem schweizerische (z.B. Stehli oder Schwarzenbach). Schweizer Firmen investierten im späteren 19. Jahrhundert in Amerika nachdem exorbitante Zölle erhoben worden waren.
Natürlich ist China bekannt für die Seide: Die Zuchtseide. Weniger bekannt ist die Seidenindustrie in Indien. Dort wird die Seide auch von wild lebenden Raupen gewonnen. Durch meine vielen Reisen nach Indien (zwischen 1996 und 2005) wurde ich ein «kleiner» Spezialist in der «Wildseide» und importierte diese in grösseren Mengen in die Schweiz. Das Bild im Header (Seidenstadt Zürich) zeigt im Hintergrund ein grobes Seidengewebe aus Indien/Bihar. Solche Gewebe wurden vor allem für Innendekoration verwendet (Wandbespannungen). Aber auch die Modeschöpfer schätzten die Optik und den Griff der Wildseide (z.B. die Häuser YSL oder Akris).
Die Seidenweberei verlor in allen europäischen Zentren nach 1930 (mit der Weltwirtschaftskrise und dem Aufkommen der Kunstseide) an Bedeutung. Ganz verschwunden ist die Seidenindustrie in der Schweiz nach 2005. Mich führte eine Studienreise im Jahr 2021 nach Lyon zu einer der letzten Seidenwebereien Frankreichs.


